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KircheAktuell vom 16.01.26

publiziert am 16. Januar 2026

Editorial aus dem “KircheAktuell”:

GERECHTIGKEIT VS. BARMHERZIGKEIT

Gerechtigkeit ist etwas Wichtiges. Ich kenne viele, die nicht darüber hinwegzukommen scheinen, wenn ihnen Unrecht widerfährt. Gut, wenn es dazu führt, dass wir uns für mehr Gerechtigkeit in dieser Welt einsetzen, besonders für Schwache und Benachteiligte. Wenn es um uns selbst geht, empfiehlt sich aber doch der Gedanke, ob wir denn wirklich ernsthaft nach Recht und Gerechtigkeit behandelt werden möchten. Es ist nicht so, dass wir fast täglich die Erfahrung machen, dass wir auf Nachsicht der Nächsten angewiesen sind und Glück gehabt haben, dass uns nicht alles zu eins aus uns zurückfällt, ist, was wir verbockt haben?

Dass Gott sich über das Recht hinwegsetzt, indem er Versagen nicht unverzüglich vergilt, dass die Redewendung «Gott straft sofort» also falsch ist, ist Grundlage, dass wir überhaupt Freude und Dankbarkeit im Loben Gottes bekunden können. Mir fällt es leichter, anderen gegenüber nachsichtig zu sein als gegenüber mir selbst. Eine Entschuldigung annehmen, das kann ich. Schwieriger ist der Umgang mit eigenem Versagen. Dort, wo ich mir einen Fehler abgelten lässt, lasse ich ihn oft als Schuld bestehen. Wo ich einen Menschen zutiefst verletzt oder verletzt habe und ich es nicht wieder gutmachen kann, wird es schwierig. Es ist nicht einfach eine vornehme Tugend eines Menschen, der anderen gegenüber grosszügig ist. Es ist mindestens so sehr Ausdruck von eigenem Stolz, nicht abhängig sein zu wollen von der Barmherzigkeit der anderen. Das Bewusstsein, versagt zu haben oder schuldig zu sein, ist schwierig auszuhalten. Zum Leben aus und in der Barmherzigkeit gehört es aber unabdingbar dazu.

(Text zur Verfügung gestellt von Martin Bührer, Bratswil)

Edith Maier, Sekretariat

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