Vom Winde gebläht
Ich habe mich neu verliebt. In die Ostsee. In diesen einen Campingplatz. Meer-Sand-Düne-Camping. Zwei Minuten zum Strand. Der Strand herrlich herbstlich leer, keine Badegäste, die meinen Hundespaziergang gestört hätten (ausser diesem älteren Herrn, der am Morgen früh splitterfasernackt in die Wellen gehüpft ist. Aber wirklich störend war er nicht). Und Sonnenuntergänge! Jeden Abend ein neues Geschenk am Himmel!
Und dann kam diese eine Nacht. Ich wachte auf, weil mein Heckzelt knatterte und flatterte und sich wie ein Fallschirm hinten am Auto aufblähte. Oh je, ein Sturm!! Auf dem Handy sah ich, dass der Wind noch zunehmen würde. Von 29 km/h auf mindestens 34. Noch mehr Wind würde mein Zelt nicht überleben. Und wie soll ich es allein zusammenlegen, ohne Hilfe? So lag ich wie ein ängstliches Kaninchen bebend und betend im Camper und schlief kaum, sammelte immer wieder mein ganzes Gottvertrauen zusammen, damit es der Wind dann wieder verwehen konnte. Ich achtete auf jedes Geräusch. Und dann wurde es fünf Uhr oder vlt. auch sechs Uhr. Es war die Zeit, in der sich mein Hirn wieder aufstartete. Und ich überlegte: Wenn wir in der Schweiz einen Sturm haben, dann haben wir Windgeschwindigkeiten von 100 km/h. Und ich habe hier 34… Irgendetwas stimmt doch da nicht. Mutig schlüpfte ich aus dem Zelt und stellte fest, ja, es windete schon recht, aber na ja, nicht dramatisch. Das Zelt hat den Wind viel stärker aufgebläht, als umgekehrt… Das Zelt war ganz einfach abzubauen. Und dann habe ich nochmals ein wenig geschlafen.
In der Bibel steht immer wieder, wir dürfen, sollen und können auf Gott vertrauen.
«Es ist ein Wesensmerkmal des Vertrauens, dass es auf die Probe gestellt wird» (aus irgendeinem Buch, das ich letztens gelesen habe).
Gudrun Aebi, Kirchenpflegerin