Von der Logik des Opfers
Ich kaufe heute ein, damit ich morgen etwas zu essen habe. Ich setze jetzt Setzlinge in die Erde, damit ich später ernten kann. Ich mache heute eine Ausbildung, damit ich morgen einen Beruf ausüben kann.
Viele unserer alltäglichen Handlungen folgen demselben Muster: Ich investiere heute, damit morgen etwas Gutes daraus entsteht. Dahinter steht eine vertraute Logik – die Logik des Opfers. Wir geben in der Gegenwart etwas auf, um in der Zukunft etwas Grösseres zu gewinnen. Und klar ist: Je grösser das Opfer, desto grösser sollte auch der Ertrag sein.
Auch die biblische Geschichte erzählt in dieser Denkweise: Karfreitag und Ostern werden als Opfer und Gewinn gedeutet. Gott gibt den grösstmöglichen Einsatz – seinen eigenen Sohn. Und entsprechend ist auch der Gewinn unvergleichlich: Der Tod, der Erzfeind des Menschen, wird besiegt. Die Logik, die wir aus unserem Alltag kennen, erscheint hier in kosmischer Dimension.
Doch an einem entscheidenden Punkt bricht die Ostergeschichte diese Logik – und genau darin liegt ihre Schönheit: Das Opfer wird nicht von uns verlangt. Wir müssen es nicht selbst erbringen und dürfen dennoch die Früchte ernten. Unsere Hoffnung hängt nicht an unseren Leistungen, nicht an dem, was wir opfern könnten. Sie ist bereits errungen.
Ostern erzählt von einem Geschenk, nicht von einer Forderung. Und darum ist es ein Evangelium, eine Froh-Botschaft!
Lysander Jakobi, Pfarrer